Führung in der virtuellen Zusammenarbeit

Langsam habe ich Blut geleckt: Die „Zwischenzeit“ bis zur Stipendienbewilligung nutze ich für vielfältige Weiterbildungen.

Über das Partnerschafts-Netzwerk „Das kommt aus Bielefeld“ konnte ich heute einem hochspannenden Vortrag horchen und anschließend mit Geschäftsführenden aus der vielfältigen Wirtschaftslandschaft Bielefelds in Austausch treten.

Führung

ist mir bisher ein recht fremdes bzw. selbstbezogenes Thema. Ich musste bisher nur mich selbst geschäftlich führen. Im Ehrenamt unseres Schriftgestaltenden-Netzwerks konnte ich mich als führende Person für ein Team erstmals wahrnehmen.

Die neugewonnenen Erkenntnisse möchte ich gerne für die anstehende Gründung mitnehmen. Denn: Irgendwann werde ich Personal anstellen. Das steht bereits fest. Ich freue mich auf diese Herausforderung und die heutige gedankliche „Zeitreise“ in diese Momente.

Wissenschaft + Praxis

Der Vortrag wird partnerschaftlich von Frau Prof. Dr. Natalie Bartholomäus und Dipl. Psych. Claire Scollar gehalten. Auf der einen Seite die Forschung an der FH Bielefeld, auf der anderen die Erfahrungen aus dem Weiterbilden von Führungskräften. Gemeinsam haben sie ein Führungskräfteentwicklungsprogramm („The Virtual Leader“) entwickelt und stellen im Vortrag ihre Vorgehensweise und Erkenntnisse vor.

Festhalten möchte ich mir hiervon die vier Kompetenzen, die sie als entscheidend für die effektive Gestaltung von virtueller Zusammenarbeit in Teams herausgearbeitet haben. Dabei jeweils in links die Kurzbeschreibung und rechts die konkreten Erkenntnisse und Beispiele aus der Praxis.

Pragmatismus

Das stetige Finden von situativen Lösungen und Evaluieren dieser.

  • nicht zu verwechseln mit pragmatischem Handeln
  • Varianz + Haltung
  • „Meine konstruierte Welt ist nicht immer die tatsächlich aktive Welt um mich herum. Das akzeptiere ich.“
  • Akzeptanz von eigenen Fehlern und denen von Mitarbeitenden
  • Beispiel: „Die Kamera lügt nicht.“ Wenn man ewig nicht zum Friseur konnte, ist dies in der Zusammenarbeit gerade nicht entscheidend. Trotzdem die Kamera anlassen.
    Das eigene Bedürfnis zurücklassen sich nicht zeigen zu wollen, Mitarbeitenden Mimik und Gestik ermöglichen.
  • Entscheidungen werden hier & jetzt getroffen. Morgen sieht die Welt wieder anders aus.

Veränderungsorientierung

Das Aufgeben von Planung & Kontrolle als bestmöglichstem Zustand
+ Veränderung als Standard

Diese Kompetenz hat sich als am ausschlaggebendsten für die Zusammenarbeit herausgestellt.

  • Die Menschheit ist auf Beständigkeit aus.
  • Die ständige Suche nach ihr in nicht-beständigen Situationen ist destruktiv.
  • Sicherheit im Umgang mit dem Ungewissen vermitteln
  • Resilienz

Team Commitment

Das Engagement für das große Ganze und seine einzelnen Bestandteile.

Das Commitment…
…zur Tätigkeit
…zur Organisation / Firma
…zur Führungsposition
…zu den Zielen.

  • virtuell kann man auch Emotionen transportieren, wir müssen eigene Wege dafür finden
  • Zu einer zufriedenstellenden Tätigkeit gehören alle drei Auslöser: müssen – sollen UND wollen
  • in digitaler Umgebung werden Konflikte generell eher vermieden, weil sie hier schwieriger zu klären sind
    Die beste Methodik dafür ist allerdings Dingen mehr Sinn zu verleihen, anstatt allem per se aus dem Weg zu gehen

Bezogen auf Konflikte ist dies nicht verwunderlich, denn Deutschland steht ganz weit oben im Unsicherheitsvermeidungsindex.

Diese Worte von Frau Prof. Dr. Natalie Bartholomäus bleiben bei mir besonders hängen. Das wird für mein Projekt wahnsinnig wichtig werden. Ich frage weitere Informationen dazu an 🙂

Expert:innenorientiertes Führungsverhalten

Führungsqualität wird in dieser Situation und frischen Umgebung neu bewertet, und zwar von den Arbeitnehmer:innen bzw. Followern.
Sie bestimmen auch, wonach diese Qualität bewertet wird (Sozialkompetenzen, Expert:innenwissen, Macht…)

  • „Die Zeit der Dampfplauderer ist also vorbei?“, fragte eine Teilnehmerin des Workshops von Frau Scollar.
  • Expert:innenorientiert heißt nicht, dass Führungskräfte in allem Expert:innen sein müssen („Ach herrje, muss ich jetzt auch noch programmieren lernen?„). Vielmehr bedeutet es, dass man einschätzen kann, ob z.B. ein Vorgehen sinnvoll ist und ob Änderungen im Ablauf vorgenommen werden müssen.
  • Expert:innen werden wir durch die enge Vernetzung zu den Fachexpert:innen in den jeweiligen Bereichen.

Austausch

Im Anschluss an den Vortrag konnten Fragen gestellt und Ergänzungen durch eigene Erfahrungen gemacht werden. Dies war für mich in zweierlei Hinsicht sehr wertvoll:

  1. Führungskräfte aus der starken Bielefelder Wirtschaft kennenzulernen und zwar ungeschönt menschlich, vulnerabel.
    Zu spüren, welche Unterstützungsbereitschaft da ist und wie wichtig dieses Netzwerk eigentlich ist.
  2. In viele aktuelle Prozesse kurz hereingeschmissen zu werden und einen generellen Blick darauf zu bekommen, welche Aufgaben Führungskräfte in der Neustrukturierung gerade haben. Das hat mir in vielerlei Hinsicht die Augen geöffnet.

Ich packe meine Koffer und nehme mit:

…die abschließenden Worte der beiden Vortragenden. Hier grob skizziert:

Frau Prof. Dr. Natalie Bartholomäus

Die eigene Führung im Zusammenspiel mit Wissenschaft reflektieren

Diese Aussage bestätigt mich in einer enormen Stärke darin für das kommende Projekt eng verwoben mit der Wissenschaft zu arbeiten. Es ist so befriedigend zu sehen, dass ein Projekt fundiert durch Erkenntnisse und praktische Anwendung zu Erfolg führen kann. Das wirkt!

Dipl. Psych. Claire Scollar

Es gab Tage in meinem Leben, da weiß ich immer noch haargenau, was ich gemacht habe. Wo ich war. Wie ich mich gefühlt habe, obwohl es nichtig ist.
9/11 zum Beispiel. Oder der 10. März 2020.

Und so einschneidend diese Erlebnisse sind, weiß ich doch, dass man daraus besser wieder herauskommen kann, als man hineingegangen ist.

Auch, wenn das erst einmal unmöglich erscheint. Probieren Sie es mal aus, fest daran zu glauben.

Welch‘ ein Verlust für all‘ die, die schon vor der Veranstaltung sagen mussten: Ich muss leider früher weg, da ist noch ein anderer Termin.
Ich nehme also auch mit, dass ich auch in Zukunft eine Zeitspanne nach Vorträgen und Weiterbildungen reservieren möchte, um das Gelernte einsinken zu lassen und für mich festzuhalten.

Ich nehme mir die Zeit.

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